Impfungen sind die größte Errungenschaft der modernen Medizin, da durch sie Erkrankungen tatsächlich verhindert werden können. Alle anderen Vorsorgen, die im medizinischen Alltag gemacht werden, sind lediglich Früherkennungsuntersuchungen. Das bedeutet man erkennt Erkrankungen im Idealfall so früh, dass weitreichende Folgen durch frühzeitige Behandlung minimiert oder verhindert werden können.
Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Impfungen: Bei der passiven Impfung werden dem Patienten schon fertige Antikörper gegen Krankheitserreger verabreicht. Der Impfschutz ist dann direkt verfügbar. Die Antikörper haben aber eine kurze Halbwertszeit, so dass oft nach einigen Wochen kein Immunschutz mehr besteht. In Deutschland wird überwiegend gegen das RS-Virus bei bestimmten Risikopatienten eine passive Impfung durchgeführt.
Bei der aktiven Impfung erhält der Patient lebende, aber abgeschwächte Erreger oder abgetötete Erreger oder Bestandteile davon. Das körpereigene Immunsystem erkennt den Impfstoff und bildet eigene Antikörper. Hierbei wird eine langanhaltende, z. T. sogar lebenslange Immunität ausgebildet.
Es gibt drei verschiedene Arten der Impfstoff-Applikation. Die häufigste ist die intramuskuläre Injektion bei der in der Regel in den Oberarmmuskel (bei Säuglingen Oberschenkelmuskel) Impfstoff gespritzt wird. Manche dieser Impfungen wirken auch, wenn man sie „nur“ unter die Haut (subcutan) spritzt.
Außerdem gibt es noch Schluckimpfungen, bei denen der Patient den Impfstoff schluckt.
Für das Grippe-Virus wurde auch ein nasaler Impfstoff entwickelt der wie ein Nasenspray angewendet wird.
Manche Menschen sind Impfungen gegenüber skeptisch. Hierzu kann man aber sagen, dass die in Deutschland verwendeten Impfstoffe sicher sind und schwerwiegende Komplikationen durch die Impfung eine echte Rarität sind. Bevor ein Impfstoff zugelassen wird, hat er ein aufwendiges Zulassungsverfahren durchlaufen. Hierbei werden Wirkung und Nebenwirkungen überprüft.
Es gibt leider einige wenige, aber sehr laute Impfgegner, so dass im Internet die wildesten Unwahrheiten über Impfungen kursieren. So hält sich leider hartnäckig die Falschmeldung, dass die Masern-Impfung Autismus auslöst. Das Gerücht besteht seit 1998 ein britischer Arzt eine mittlerweile nachweislich von ihm gefälschte Studie veröffentlicht hat. Er hat damit eigene finanzielle Interessen verfolgt und musste zwischenzeitlich seine ärztliche Zulassung zurückgeben. In zahlreichen echten Studien wurden die Ergebnisse des Briten mittlerweile deutlich widerlegt. Ähnlich geht es mit anderen Fake-News zu Impfungen.
Es ist auch immer wieder zu hören, dass die Immunität durch eine durchgemachte Infektion deutlich besser ist als durch eine Impfung. Auch diese Behauptung ist falsch. Dem menschlichen Immunsystem ist es für die Immunantwort ziemlich egal ob es auf eine Impfung oder auf eine Infektion reagiert. Durch eine Impfung werden aber die möglichen schweren Komplikationen und Folgen einer Infektionskrankheit erspart.
In Deutschland gibt es beim Robert Koch-Institut die Ständige Impfkommission (StIKo). Das ist ein Gremium aus Fachleuten, die ehrenamtlich neben ihrem normalen Beruf alle Studie zu Infektionskrankheiten und Impfungen überprüfen und anhand dessen eine Empfehlung für Impfungen in Deutschland aussprechen.
Da Säuglinge die Patientengruppe mit dem größten Risiko schwer verlaufender Infektionskrankheiten sind, werden zahlreiche Impfungen bereits bei Säuglingen früh durchgeführt. Kinder, die zwischen Oktober und März geboren werden, erhalten schon kurz nach der Geburt die passive Immunisierung gegen das RS-Virus. Bei Kindern, die zwischen April und September geboren werden, wird diese Immunisierung im Oktober, also zu Beginn der RSV-Saison, durchgeführt.
Bereits nach wenigen Wochen kommen dann schon die ersten aktiven Impfungen. Hierzu zählt die Schluckimpfung gegen das Rota-Virus und als Spritzen die sogenannte 6-fach-Impfung gegen Tetanus, Diphterie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hämophilus influenzae Typ B und Hepatitis B, die Pneumokokken-Impfung und die Impfung gegen Meningokokken vom Typ B. Damit das Immunsystem einen langanhaltenden Impfschutz aufbauen kann, müssen die Impfungen zum Teil mehrfach wiederholt werden.
Mit ca. einem Jahr erhalten die Kinder dann Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Außerdem müssen die Impfungen aus der Säuglingszeit zum Teil nochmal aufgefrischt werden.
Fünf Jahre nach der letzten 6-fach-Impfung ist dann zum ersten Mal eine Auffrisch-Impfung und zwar gegen Tetanus, Diphterie und Keuchhusten. Nach weiteren fünf Jahren wird erneut gegen Tetanus, Diphterie und Keuchhusten aufgefrischt. Dieses Mal in Kombination mit der Kinderlähmungsimpfung. Danach wird diese Impfung nur noch alle zehn Jahre aufgefrischt.
Ab dem 9. Geburtstag wird eine Impfung gegen HP-Viren verabreicht. HP-Viren können beim Geschlechtsverkehr übertragen werden und im Anogenital-Bereich bzw. im Mund- und Speiseröhrenraum auch bösartige Krebsgeschwulste auslösen. Bei Frauen kann außerdem Gebährmutterhalskrebs durch HPV hervorgerufen werden. Die Immunisierung sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein.
Mit 12-14 Jahre empfiehlt die StIKo eine Impfung gegen die Meningokokken-Typen A, C, W und Y.
Die Impfung gegen das Influenza-Virus (echte Virusgrippe) muss jährlich wiederholt werden, weil das Virus sich stetig verändert und deshalb der Impfschutz immer nur für die aktuelle Grippe-Saison gültig ist. Eine generelle Impfung gegen Influenza wird von der StIKo nicht empfohlen. Bestimmte Risikogruppen oder Kinder mit Kontakt zu Risikopatienten sollten aber geimpft werden.
Das FSME-Virus wird durch Zecken auf uns Menschen übertragen. Hirnhaut- und Gehirnentzündungen können hierdurch ausgelöst werden. Es gibt gewisse Risikogebiete in denen FSME-Fälle gehäuft vorkommen. Die StIKo empfiehlt Bewohnern von Risikogebieten eine Immunisierung gegen FSME. Außerdem sollten Menschen, die sich regelmäßig in Risikogebieten aufhalten gegen FSME geimpft sein. Zugelassen ist der Impfstoff ab dem 1. Geburtstag. Eine Übersicht über die Risikogebiete findet man auf der Seite des Robert Koch-Institutes (www.rki.de).
Für Reisen ins Ausland können weitere Impfungen sinnvoll sein. Am besten informiert man sich mehrere Monate vor einer geplanten Reise über sinnvolle Reiseimpfungen, weil man ja auch eine gewisse Zeit benötigt um den notwendigen Impfschutz zu vervollständigen bzw. eine Immunität aufzubauen. Ein erster Anhaltspunkt für sinnvolle Reiseimpfungen ist auf der Seite des Auswärtigen Amtes zu finden (https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/reise-und-sicherheitshinweise). Ausführliche Beratungen zu Reiseimpfungen bieten speziell ausgebildete Reisemediziner an. Für die meisten Urlaubsländer außerhalb von Deutschland ist aber in jedem Fall eine Impfung gegen das Hepatitis A-Virus sinnvoll.